Erreichbarkeit im Urlaub

Business mitnehmen – oder ganz abschalten?

2. Juli 2019 // 2 min Lesezeit

Man könnte das Telefon auf stumm schalten, E-Mails ignorieren und entsprechende Kurznachrichten links liegen lassen. Oder man geht ran, riskiert dabei, dass man „nur um einen kurzen Gefallen“ gebeten wird. „Dauert auch nur eine Minute.“

Juristisch ist die Situation vergleichsweise eindeutig. Das Bundesurlaubsgesetz sagt: Niemand muss im Urlaub arbeiten. Das bedeutet: Grundsätzlich können Sie sich jedes Businesstelefonat sparen. Niemand kann Sie dazu verpflichten. Ein paar Ausnahmen gibt es zwar, etwa bei leitenden Angestellten, bei freien Tagen, die nicht unter den Regelurlaub fallen oder in absoluten Notfällen. Aber grundsätzlich gilt: Urlaub ist Urlaub. Soweit das Gesetz. In der Praxis ergibt sich jedoch ein anderes Bild.

Jeder Fünfte arbeitet im Urlaub

Schon vor fünf Jahren ermittelte eine Online-Befragung, dass ungefähr jeder fünfte Arbeitnehmer im Urlaub arbeitet. Das Ergebnis war damals noch erstaunlich niedrig. Das Befragungsportal YouGov kommt 2018 zu anderen Zahlen. Die Online-Befragung spricht von 37 Prozent der Arbeitnehmer, die in ihren Ferien erreichbar bleiben. Doch die IT-Branche ist eben keine Branche wie jede andere. Der Digitalverband Bitcom hat 2018 Zahlen veröffentlicht, die nochmals deutlich höher sind. Demnach lesen wären der freien Zeit 61 Prozent der Befragten Kurznachrichten, 57 Prozent sind telefonisch für Chefs, Kollegen oder Kunden erreichbar. Jeder Vierte checkt seinen E-Mail-Posteingang. Rund zwei Drittel beantworten die Frage nach der Erreichbarkeit im Urlaub mit einem klaren Ja.

Ob man erreichbar sein will, oder nicht, bleibt selbst in der IT-Branche eine Sache der persönlichen Einstellung. Während es für manche ein absolutes No-Go darstellt, bleiben andere locker oder empfinden die Erreichbarkeit als selbstverständlichen Teil ihrer professionellen Arbeitsweise. Für beide Haltungen finden sich genügend Argumente. Mit Blick auf die Zahlen fällt jedoch ein Detail auf: YouGov zu Folge sind es gerade die Jungen, also die unter 30-jährigen, die während ihres Urlaubs die Kommunikationskanäle mit dem Business komplett kappen. Fast 40 Prozent geben an, für ihren Arbeitgeber nicht zur Verfügung zu stehen. Und das, obwohl gerade diese Generation im Verdacht der permanenten Erreichbarkeit steht.

Ferien stehen unter Schutz

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aller Generationen ist es also eine gute Botschaft, dass das komplette Abschalten in der Urlaubszeit vom Gesetzgeber durch klare Regelungen geschützt ist. Niemand kann gezwungen werden, vom Strand aus für seinen Arbeitgeber tätig zu werden. Allerdings dürften auch SAP-Spezialisten am Anfang ihrer Karriere nicht über die Verhandlungsmacht verfügen, diesen Anspruch entsprechend durchzusetzen. Besser dürfte es immer sein, das Thema im Vorfeld anzusprechen und eine einvernehmliche Lösung zu suchen, unter anderem passende Vertretungslösung festzulegen. Aber gegen die eine oder andere Auskunft im Urlaub wird sicher niemand etwas einzuwenden haben.


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