Aufrichtig gute Worte. Ein Plädoyer für die ausgesprochene Wertschätzung.

Mehr Komplimente, bitte

20. September 2021 // 2 min Lesezeit

Sie sei brillant, engagiert und hartnäckig, lobte Präsident Barack Obama seine Parteifreundin Kamala Harris. Um dann fortzufahren, sie sei „bei Weitem die bestaussehende Generalstaatsanwältin.“ Dass er sich den letzten Satz hätte sparen können, wusste er selbst. damals im Frühjahr 2013. Trotzdem bleibt die Szene haften, auch als Anleitung zum richtigen Kompliment. Verhaltenspsychologin Xuan Zhao hat jüngst Untersuchungen vorgelegt, die zu mehr Komplimenten ermuntern. Sie zeigt dabei unter anderem, welche Sätze die richtigen sind. Vorneweg: Obamas überflüssiger Satz wirkte machohaft – und darum unpassend. Auf den Zusammenhang kommt es an. Da gibt es so viele positive Beispiele. Die meisten sind aus der Situation geboren.

Schön, dass Sie sich damit auseinander setzen.

Die Furcht vor dem falschen Satz ist in den meisten Fällen unbegründet. Zhao ermuntert zu Komplimenten. Ihre Forschungen haben ergeben, dass die positive Wirkung von Komplimente viel länger hält als man gemeinhin annimmt. Während Komplimentgeber die Freude, die ihre anerkennenden Worte auslösen, als eher gering schätzen, hält das gute Gefühl bei den Adressaten der Komplimente deutlich länger an. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass den Adressanten die Situation selten peinlich ist. Diese Peinlichkeitsvermutung ist oft ein Widerstand, aufgrund dessen viele das Kompliment für sich behalten. In den meisten Fällen unbegründet, wie die Verhaltensforscherin nachweist. Wer ein Kompliment erhält, reagiert weniger oft peinlich berührt – weniger zumindest als es diejenigen vermuten, die ein Kompliment aussprechen.

Sie beeindrucken uns. Wirklich.

Auch die Annahme, dass der Wert eines Kompliments höher ausfällt, je seltener ein lobendes Wort ausgesprochen wird, entbehrt jeder Grundlage. Komplimente verlieren keinesfalls an Wirkung, wenn sie häufig ausgesprochen werden. Allein die gebetsmühlenhafte Wiederholung nutzt sich ab. Schon eine kleine Varianz reicht, um die Stimmung nachhaltig zu verbessern. Die Verhaltenspsychologin Zhao stellt fest: Ein gutes Kompliment kann den Empfänger glücklich machen, Sie selbst glücklich machen und die Beziehung verbessern.

Wir brauchen mehr so positive Menschen wie Sie.

Wie gehen also gute Komplimente? Sicher ist: Im Großraumbüro sollte man für Style und andere Äußerlichkeiten nicht in voller Lautstärke zelebrieren. Am besten man hält es mit Oscar Wilde. Der hat festgestellt: „Komplimente sind wie Parfüm. Sie dürfen duften, aber nie aufdringlich werden.“ Wird zu dick aufgetragen, steht plötzlich der Verdacht im Raum, dass es sich um strategische Schleimerei handelt. Was spricht also dagegen, aufrichtige Komplimente lieber öfters zu formulieren? Eigentlich nichts. Denn die kleinen ausgesprochenen Aufmerksamkeiten steigern nachweislich Selbstwertgefühl, Lebenslust und Zufriedenheit. Übrigens bei jeder Gelegenheit: im Büro, zu Hause und unter Freunden.

Es freut uns, dass Sie das annehmen können.

Darum auch ein Hinweis an alle, die ein Kompliment bekommen. Die Psychologien behaupten: Man muss Komplimente auch annehmen können. Oft gehört ist beispielsweise der Satz „Das ist noch nichts Besonderes!“ Selbst wenn es zutreffen sollte, unnötig ist es trotzdem, dass man die schnöde Alltäglichkeit betont. Ersetzen Sie diesen Satz als Antwort auf ein Kompliment spaßeshalber mit „Es freut mich, dass Sie das sagen.“ Fühlt sich das nicht besser an? Wenn ja, liegt es daran, dass sie damit die positive Stimmung verstärken. Ganz nach der Devise: Mehr Komplimente, bitte.

Photo by Alex Alvarez on Unsplash

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