DSAG-Jahreskongress

Kunden fordern von SAP konkrete Roadmaps ein

12. Januar 2027 // 4 min Lesezeit

Gestaltungsdrang: „SAP-Kunden wollen und müssen ihren Gestaltungs- und Handlungsspielraum bewusst definieren und Investitionen gezielt ausrichten“, berichtet der DSAG-Vorstandsvorsitzende Jens Hungershausen, der nach diesem Jahreskongress turnusgemäß aus dem Amt scheidet. „Es geht um Einordnung statt Euphorie, Nutzenbewertung statt Schlagworten und Problemlösungen statt blindem Aktionismus.“

Nachweisbarer Nutzen statt blanker Vision

Umfangreiche regulatorische Anforderungen, disruptive Technologien und geopolitische Unsicherheiten setzen Unternehmen unter Druck. Gleichzeitig hinaus müssen sie die Migration in Richtung SAP S/4HANA, Cloud-Projekte, gewachsene Systemlandschaften modernisieren und sich den Nutzen Künstlicher Intelligenz erarbeiten.

Der DSAG-Investitionsreport hat im Frühjahr bestätigt, dass Unternehmen Investitionen dabei kritischer prüfen und gezielter tätigen als bisher. „Kaufentscheidungen orientieren sich nicht allein an Visionen und Zielbildern“, erläutert Hungershausen. „Wichtig sind Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Integrationsfähigkeit und ein nachweisbarer Nutzen für das jeweilige Geschäftsmodell.“

On-Premises- und Hybridsysteme bleiben Standard

Bei der Migration in Richtung SAP S/4HANA zeigt sich dieses besonders deutlich. Nötig dafür sind erhebliche Investitionen. Das Ende der Standardwartung von SAP-ECC zum 31. Dezember 2027 erhöht den Druck. Wichtig ist aus Sicht der Anwendervertreter daher, dass dem Systemumbau ein klar nachvollziehbarer geschäftlicher Mehrwert gegenübersteht.

On-Premises-Systeme und hybride SAP-Landschaften spielen in Unternehmen weiterhin eine wichtige Rolle, wie der Investitionsreport zeigt: 56 Prozent der Befragten setzen SAP S/4HANA On-Premises ein, 42 Prozent planen für dieses Betriebsmodell hohe oder mittlere Investitionen. Die Präferenz der SAP in Richtung Public Cloud und Private Cloud unterscheidet sich stark von der Realität bei den Kunden. Welches Betriebsmodell für ein Unternehmen am besten passt, hängt laut Hungershausen von der jeweiligen Ausgangslage und von der Komplexität der Systemlandschaft ab. „Cloud ist die Zukunft. Klar ist aber auch, dass jedes Unternehmen seinen Weg zu S/4HANA selbst bestimmen muss. SAP muss akzeptieren, dass On-Premises und hybride Architekturen aktuell Realität sind.“

Klare Strategie und verlässliche Roadmaps

Ein pauschales Vorgehen wird laut Hungershausen weder gewachsenen Systemlandschaften noch branchenspezifischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen gerecht: „Unternehmen müssen ihre Transformation in realistischen Etappen planen und passende Übergangsszenarien entwickeln. Dafür braucht es auf Kundenseite strategische Klarheit und auf Seiten der SAP verlässliche Roadmaps und flexible Angebote.“

Positiv bewertet die DSAG die Investitionen von SAP in die Assistenten für Migration und Modernisierung. Diese sollen den Wechsel von SAP ECC auf SAP S/4HANA sowie Versions-Upgrades innerhalb von SAP S/4HANA erleichtern und die Transformation kostengünstiger machen. Für eine belastbare Bewertung fehlen bislang allerdings Berichte von Kunden.

Technologie zwischen Goldrausch und Realität

Künstliche Intelligenz ist bei SAP als strategisches Thema gesetzt. Mit dem Zielbild Autonomous Enterprise haben die Walldorfer eine Vision vorgestellt, nach der Geschäftsprozesse über intelligente Agenten weitgehend selbstständig gesteuert werden sollen. Bei der Produktentwicklung haben die Walldorfer Wort gehalten. Noch in diesem Monat macht die SAP mehr als 50 KI-Assistenten und 200 Agenten allgemein verfügbar.

„Die Technologie ist vorhanden“, erläutert Hungershausen. „Zwischen Vision, verfügbaren Lösungen und tatsächlichem Kundennutzen besteht jedoch noch eine Lücke.“ Für Anwender zähle nicht alleine das Innovationsversprechen, sondern, sondern die Frage, welche Lösungen sich produktiv, sicher und wirtschaftlich einsetzen lassen. Das gilt auch für die SAP Lösungen Joule Work und Joule Work Desktop: „Die Ankündigungen dazu sind sehr interessant“, erläutert Hungershausen, „Belastbare Kundenerfahrungen dazu fehlen jedoch bislang.“

Intelligente IT braucht einen verlässlichen Rahmen

Künstliche Intelligenz ist aus Sicht der DSAG eine Zukunftstechnologie mit großem Potenzial für die gesamte Wertschöpfungskette. Um die Chancen ausschöpfen zu können, müsse allerdings die Nutzung von KI auch in bestehenden SAP-Landschaften einfacher werden. „Damit KI-Investitionen planbar und in bestehende Architekturen integrierbar sind, braucht es eine verlässliche Anbieterstrategie und klare vertragliche Regelungen.“, fordert Hungershausen. Dies betreffe den Datenzugriff über Programmschnittstellen, Nutzungs- und Zugriffsrechte, Governance sowie die Kosten.

Mit den veröffentlichten Referenzarchitekturen für den KI-Zugriff habe SAP wichtige Grundlagen geschaffen. Sie könnten Unternehmen dabei unterstützen, Governance-Anforderungen zu berücksichtigen sowie Systemstabilität, Datensicherheit und Datenintegrität abzusichern. Die Anwendervertreter erwarten nun, dass SAP diese technische Orientierung durch transparente und verlässliche Regelungen zu Kosten, Nutzungsrechten und Verantwortlichkeiten ergänzt.

Die gleiche Flexibilität erwarten die Anwendervertreter bei technologischen Innovationen: Wesentliche Neuerungen sollen auch für S/4HANA-On-Premises-Kunden verfügbar sein und dürfen nicht ausschließlich an Cloud-Verträge gebunden werden. Die von SAP auf der diesjährigen Hausmesse Sapphire angekündigte Bereitstellung ausgewählter Szenarien Künstlicher Intelligenz für Anwender von SAP-ECC und SAP S/4HANA On-Premises kann laut DSAG nur ein erster Schritt sein. Vor dem Hintergrund der Wartungszusage von SAP für SAP S/4HANA bis 2040 habe Schutz getätigter Investitionen Priorität: „Unternehmen müssen klar nachvollziehen können, welche Funktionen in welchem Betriebsmodell verfügbar sind, welche Abhängigkeiten entstehen und wie sich Kosten über den gesamten Transformationszeitraum entwickeln“, fordert Hungershausen.

duerenhoff findet den neuen Wirkungskreis

SAP-Profis gibt der DSAG-Jahreskongress wichtige Hinweise für ihre Karriere: Cloud und Künstliche Intelligenz - so lautet die Marschrichtung für die Weiterentwicklung von SAP-Systemen. Eine schwierige Aufgabe für Bestandskunden, die ihre SAP-Systeme bislang häufig im hauseigenen Rechenzentrum betreiben. Wollen sie von Künstlicher Intelligenz profitieren, sind sie auf SAP-Fachkräfte angewiesen, die Cloud-basierte Anwendungen wie den Assistenten Joule mit den Inhouse-Systemen integrieren.

Wechselwillige SAP-Profis, die den passenden Wirkungskreis für ihre Kenntnisse suchen, finden im SAP Job-Matching eine vorzügliche Anlaufstelle, die ihnen das aufwändige Klicken durch Stellenangebote erspart. Von duerenhoff können sich die SAP-Talente die interessantesten und lukrativsten Stellengebote zeigen lassen. Die Beraterinnen und Berater stehen im ständigen Kontakt mit 3500 Unternehmen und wissen daher genau, wo gerade welche Projekte anstehen. Jürgen Frisch

Foto: DSAG

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Fachkräftemangel Digitalisierung Personalberatung SAP-Fachkräfte


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