Unternehmen reagieren auf Fachkräftemangel

Wie Companies New Work umsetzen

30. März 2022 // 2 min Lesezeit

Gekommen um zu bleiben. Unternehmen in allen Branchen klagen über Fachkräftemangel. Als Nebenklage weit verbreitet: Die allgemeine Beschwerde über teilweise unverschämte Anspruchshaltungen auf Seite der Bewerberinnen und Bewerber. Perfect Matches bei den Besetzungen werden seltener. Rund 100.000 IT-Stellen sind aktuell nicht besetzt, das hat die Bitcom schon Anfang des Jahres mitgeteilt. IT-Fachkräfte können sich ihre Stelle aussuchen. Wie reagieren die Unternehmen? Einige konkrete Beispiele zeigen die Stellenschrauben auf, an denen Companys jetzt drehen.

4-Tage-Woche

Die Hotelkette 25hours setzt bei der Arbeitszeit an. Sie geht auf ein neues Arbeitszeitmodell. Ein Großteil der Belegschaft arbeitet in Schicht. 25hours stellt jetzt um: auf 4 Arbeitstage mit 9 Stunden. 3 freie Tage pro Woche werden garantiert. Die Hotelkette gibt allerdings zu, dass das neue Modell die HR-Abteilungen und Führungskräfte weit mehr beansprucht als zuvor. Andererseits steht zu Buche: Die Bewerbungen haben um rund 50 Prozent zugenommen. Ob sich das Modell von der Hotellerie in die IT-Branche übertragen lässt, bleibt allerdings fraglich.

Noch flexiblere Arbeitszeiten

Bei den Arbeitszeiten setzt auch die Kryptobörse Bitpanda an. Im Rahmen eines großen Benefit-Pakets für die eigenen Angestellten versucht Bitpanda das erstaunliche Netflix-Arbeitsmodell zu übernehmen. Dort kann jeder Mitarbeitende so viel Urlaub machen wie gewünscht. Unbegrenzter Urlaub, voll bezahlt. Netflix hat damit gute Erfahrungen gemacht. Das Arbeitsmodell ist ein wichtiger Grund, warum Netflix als Arbeitgeber so beliebt ist. Ob sich das Modell aus den USA nach Europa übertragen lässt? Die Trading-Platform Bitpanda verlässt nicht darauf. Dass Benefit-Paket umfasst ebenfalls sogenannte „Recharge-Weeks“ und das Angebot einer Elternzeit von 20 Wochen, das ausdrücklich „Geburts-, Leihmutter- und Adoptiveltern jeden Geschlechts oder Alters einschließt, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Familienform, ebenso wie gleichgeschlechtlicher Partner und Alleinerziehende.“ Taktisch klug: Diversität wird bei der Wiener Trading-Platform von vornherein mitgedacht.

Prioritäten beim Recruitung verändern

Eine andere Antwort auf den Fachkräftemangel hat Klarna gefunden. Der Bank-, Shopping- und Zahlungsdienstleister schraubt die Einstellungshürden herunter. Das Ziel: Mehr Chancen für Bewerberinnen und Bewerber ohne vorige Berufserfahrung oder einen akademischen Abschluss. Mentalität und Einstellung sollen in Zukunft wichtiger sein als Lebenslauf. Klarna nennt es Service-Accelorator-Programm. Die neue Schwerpunktsetzung wurde ausgelöst von Studien, die nachweisen, dass 89 Prozent der unpassenden Job-Besetzungen mit fehlender Überzeugung zusammenhängen. Darum soll mehr denn ja auf Lernwille, Engagement und innerer Einstellung geachtet werden.

Internationalität ausspielen

Auch die große SAP AG hat längst den Veränderungsbedarf erkannt. Als global agierendes Unternehmen versucht der Walldorfer Weltkonzern den internationalen Ansatz auf die Arbeitswelt zu übertragen. SAP-Personalchef Cawa Younosi (dessen interessante Geschichte die Rhein-Neckar-Zeitung aufgeschrieben hat) sagt: „Menschen leben da, wo ihre Familien sind, ihr soziales Netzwerk, und dort wollen sie in der Regel auch arbeiten.“ Darum sind neben Home Office auch Weiterbildungsmöglichkeiten, Aktienprogramme und zusätzliche Benefits ein zentraler Bestandteil der Fachkräftesicherung. SAP will, dass auch die Fachkräfte kommen um zu bleiben. Tatsächlich zeigen aktuelle Studien, dass unter der jungen Generation erstaunlich viele sind, die sich vorstellen können, dass ihr erster Arbeitgeber auch der letzte ist

Photo by Shridhar Gupta on Unsplash

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