Was lässt sich aus der DSAG Investitionsumfrage für die Karriere lernen?

SAP bleibt gefragt – Investitionen wachsen langsamer

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„Die IT- und SAP-Budgets legen vielerorts zu, aber die Unternehmen investieren aktuell sehr gezielt.“ Dieses Fazit zieht Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendervereinigung DSAG aus der diesjährigen Investitionsumfrage. Die Migration in Richtung S/4HANA nehme Fahrt auf, wobei On-Premises Systeme erste Wahl blieben. Künstliche Intelligenz kommt nur langsam voran, wobei Non-SAP-Lösungen aktuell öfter im Einsatz sind als diejenigen aus Walldorf.

Insgesamt 198 Vertreter von Mitgliedsunternehmen haben die SAP-Anwendervertreter im Dezember 2025 Januar 2026 nach ihren Systemen und Investitionsplänen befragt. Bei den Branchen dominieren Maschinen-, Geräte- und Komponentenbau mit 12 Prozent, gefolgt vom öffentlichen Sektor mit 9 Prozent sowie der Chemieindustrie mit 8 Prozent. Die Versorgungswirtschaft sowie die Konsumgüterbranche stellen jeweils 7 Prozent der Teilnehmer. Nachdem im Jahr 2025 einmalig SAP den Investitionsreport-Fragebogen verschickte, hat diesmal wieder die DSAG die Zahlen erhoben. Verglichen mit dem Investitionsreport 2025 wurden daher weniger größere Unternehmen befragt. Vergleichen lassen sich die Zahlen DSAG-Investitionsreports 2026 demnach eher mit denen des Jahres 2024.

Wachsende Budgets – Investitionen werden hinterfragt 

Auch 2026 steigen die IT- und SAP-Investitionsbudgets, allerdings bei weniger Unternehmen als 2024. Bei 38 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz steigt das IT-Gesamtbudget. Vor zwei Jahren war das noch bei 43 Prozent der Fall. Gleich bleibt das Budget bei 35 Prozent (2024: 36 Prozent), bei 24 Prozent sinkt es (2024: 18 Prozent). Bei den Investitionen in SAP steigt bei 43 Prozent der befragten Unternehmen das Budget (2024: 46 Prozent), bei 26 Prozent bleibt es gleich (2024: 32 Prozent) und bei 28 Prozent sinkt es (2024: 19 Prozent). 

„Die Entwicklung der Budgets zeigt den anhaltenden wirtschaftlichen Druck, unter dem viele Unternehmen stehen“, erläutert Hungershausen. „Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und ein angespanntes Marktumfeld führen dazu, dass Investitionen auch im SAP-Umfeld kritisch hinterfragt und teilweise verschoben werden.“

 

Digitalisierung und Effizienzsteigerung als Hauptziele

Laut DSAG investieren die Unternehmen sehr gezielt, ohne SAP grundsätzlich infrage zu stellen. Diese Einschätzung deckt sich it den Antworten auf die Frage nach der Relevanz von SAP für die zukünftige Ausrichtung der Unternehmen. Hier geben 36 Prozent an, dass die Relevanz zunimmt, bei 48 Prozent bleibt sie gleich, bei 16 Prozent nimmt sie ab. 

Erstmals haben die Anwendervertreter in diesem Jahr abgefragt, wie stark bestimmte Herausforderungen die Investitionsentscheidungen beeinflussen. Die Top-5-Herausforderungen lauten Wirtschaftlichkeit von Investitionen in SAP-Software (79 Prozent), wirtschaftliche Rahmenbedingungen (79 Prozent), SAP-Lizenz- und Vertragsgestaltung (70 Prozent), Wartungsende für SAP ECC (63 Prozent) und das Umsetzen gesetzlicher Vorgaben (59 Prozent). 

Bei der Frage nach den übergeordneten Ziele die SAP-Investitionsplanung lauten die drei höchstplatzierten Antworten Digitale Transformation/Prozessmodernisierung, Kostenoptimierung/Effizienzsteigerung sowie Compliance/Sicherheit. „Digitale Transformation und Prozessmodernisierung bleiben die zentralen Treiber für SAP-Investitionen, werden aber flankiert von dem Anspruch, effizienter zu wirtschaften sowie regulatorische und sicherheitsrelevante Anforderungen zu erfüllen“, berichtet Hungershausen.

 

S/4HANA On Premises führt im Ranking

Mit Spannung erwartet werden seit Jahren die Investitionen der Unternehmen in SAP ECC, SAP S/4HANA On-Premises, SAP S/4HANA Private Cloud/RISE und SAP S/4HANA Public Cloud/GROW: Hohe und mittlere Investitionen planen 42 Prozent der Befragten in S/4HANA On-Premises, während 22 Prozent in die Private-Cloud-Variante und 6 Prozent in die Public-Cloud-Variante hohe und mittlere Budgets investieren wollen. Für SAP ECC planen 10 Prozent hohe und mittlere Investitionen. 

Viele Anwenderunternehmen setzen laut Hungershausen bei der S/4HANA-Transformation weiterhin auf On-Premises und kontrollierte Private-Cloud-Modelle und entscheiden nach Passgenauigkeit, Investitionsschutz und Migrationsaufwand: „Die vergleichsweise geringe Investitionsbereitschaft in die Public Cloud zeigt, dass hier aus Kundensicht funktionale Tiefe, Integrationsfähigkeit und verlässliche Rahmenbedingungen nicht immer gegeben sind. Wichtig bleibt daher die Wahlfreiheit zwischen den Betriebsmodellen.“ 

 

Einige Unternehmen planen mit Extended Maintenance 

Diejenigen Unternehmen, die Investitionen in SAP ECC planen, wurden zusätzlich gefragt, wie ihre weiteren Pläne mit diesem System aussehen. Fast die Hälfte gibt an, die Umstellung auf S/4HANA bis Ende 2030 zu planen. Diese Unternehmen fallen somit in die aufpreispflichtige Extended Maintenance. 37 Prozent wollen bis Ende 2027 umstellen, während 4 Prozent die Umstellung bis Ende 2033 anvisieren und dabei SAP ERP Private Edition nutzen wollen. „Dass einige Unternehmen den Umstieg auf S/4HANA erst bis 2030 planen, heißt nicht, dass sie bis dahin mit der Umstellung warten“, erläutert Hungershausen. „Vielerorts ist diese Zeit aufgrund der Komplexität der Systemlandschaften einfach nötig 

Gefragt nach den eingesetzten ERP-Lösungen liegt dieses Mal S/4HANA On-Premises mit 56 Prozent (2024: 44 Prozent) vor SAP ECC beziehungsweise der alten SAP Business Suite mit 54 Prozent (2024: 68 Prozent). Verglichen mit dem Investitionsreport 2024 erfährt die Nutzung von S/4HANA Private Cloud einen leichten Zuwachs. Aktuell setzen 17 Prozent (2024: 11 Prozent) auf S/4HANA Private Cloud. 5 Prozent (2024: 6 Prozent) wählen S/4HANA Public Cloud. 

 

SAPs Toolchain muss den Mehrwert noch beweisen

Erstmals haben die Anwendervertreter in diesem Jahr abgefragt, wie relevant für die Unternehmen die SAP Integrated Toolchain ist. Dieser Begriff bezeichnet die Kombination von SAP-Anwendungen und Werkzeugen von SAP-Partnern, die Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen. Beispiele sind die Lifecycle-Management-Lösung Cloud ALM, die Prozessmanagement-Lösung Signavio. Die Enterprise Architecture Management Plattform LeanIX, und die Digital Adoption Platform WalkMe. 24 Prozent der Befragten nutzen die Integrated Toolchain bereits teilweise oder vollumfänglich, während 39 Prozent zumindest Teile davon nutzen wollen. 17 Prozent planen keinen Einsatz. 16 Prozent kennen diese Toolchain nicht der erachten sie als nicht relevant. 4 Prozent machen keine Angaben. 

Ebenfalls neu war die Frage, wie stark sich die Unternehmen bei ihrer Investitionsplanung am SAP-Zielbild der neuen SAP Business Suite mit den Elementen Cloud-ERP, SAP Business AI, SAP Business Data Cloud und Business Technology Plattform orientieren. 35 Prozent der Befragten tun dies stark oder sogar sehr stark, während 62 Prozent sich daran weniger stark oder gar nicht orientieren. 4 Prozent machten keine Angaben. 

 

Business Technology Plattform und SuccessFactors sind Spitzenreiter 

Mit Blick auf die Software-as-a-Service-Lösungen und deren Relevanz für Investitionen im Jahr 2026 liegt die Business Technology Platform mit hohen und mittleren Investitionen von 39 Prozent (2024: 33 Prozent) auf Platz eins. Für die Personalmanagement-Lösung SuccessFactors an Position zwei planen 23 Prozent (2024: 21 Prozent) hohe und mittlere Investitionen. Auf Platz drei folgt die Business Data Cloud mit 22 Prozent. Diese Datendrehscheibe konnte Investitionsreport 2024 noch nicht abgefragt werden, da SAP sie erst 2025 vorgestellt hat. 

Eine weitere Frage zielt darauf ab, wie relevant einzelne Bereiche der Business Technology Platform für die Unternehmen sind. Aktuell planen 45 Prozent der Befragten (2024: 27 Prozent) hohe und mittlere Investitionen beim Thema Integration. Auf Platz zwei kommen mit 38 Prozent (2024: 34 Prozent) die Analyselösungen. Für Anwendungsentwicklung und Automatisierung planen 27 Prozent (2024: 17 Prozent) der Befragten hohe und mittlere Investitionen in die Business Technology Platform, für Künstliche Intelligenz 16 Prozent (2024: 2 Prozent). 

 

Bei Künstlicher Intelligenz dominieren Non-SAP-Lösungen

Eine spannende Frage betrifft die Praxiserfahrungen beim Hype-Thema Künstliche Intelligenz. 43 Prozent der Unternehmen haben dafür bislang Use-Cases umgesetzt, 51 Prozent noch nicht, während 6 Prozent keine Angaben machen. 77 Prozent der Unternehmen, die Use-Cases für intelligente Anwendungen umgesetzt haben, nutzen dafür Non-SAP-Lösungen. Auf SAP setzen lediglich 3 Prozent. 65 Prozent befinden sich mit Non-SAP-Lösungen in der Testphase, bei SAP-Lösungen sind es 8 Prozent. Einen Proof-of-Concept führen 62 Prozent mit Non-SAP-Lösungen und 26 Prozent mit SAP-Lösungen durch. 

Einen Grund für das schwache Abschneider von SAPs KI-Lösungen sieht Hungershausen in der Komplexität: „Für einen Use-Case im SAP-Umfeld gelten andere Anforderungen als für Standardlösungen auf der Basis von Large-Language-Modellen.“ Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass es in den Unternehmen für Künstliche Intelligenz noch keine flächendeckenden Use Cases gibt. „Im Realitätscheck zeigt sich, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz in den Business-Prozessen noch schwierig ist.“ Dass sehr viele Use-Cases mit Non-SAP-Lösungen umgesetzt werden, sei ein Signal an SAP: „Viele Unternehmen arbeiten mit On-Premises-Systemen oder stark individualisierten Landschaften, in denen sie die SAPs Innovationen rund um Künstliche Intelligenz bislang nur eingeschränkt nutzen können. Als Anwenderverband wünschen wir uns auch hier bei den Betriebsmodellen mehr Wahlfreiheit.“ 

 

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Beitragsfoto: Foto von Chris Liverani auf Unsplash

Tags:

DSAG Hungershausen Investitionsumfrage


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